Springe zum Inhalt →

Ausflüge nach Utopia

Realitäten praktisch ändern durch Nachbarschaftsvernetzungen

Stell dir vor, du bist auf dem Weg zu einer Freundin. Du begrüßt den Kiosk-Verkäufer, nimmst dir zwei Getränke aus seinem Kühlschrank und gehst zur Kasse. Dir fällt auf, dass du zu wenig Geld dabei hast. ‚‚Macht nichts‘‘, hörst du ihn sagen, ‚‚bezahlst du einfach beim nächsten Mal.‘‘

Es ist ziemlich heiß heute. Als du durch den Park gehst, siehst du wie eine Nachbarin wild mit ihrem Gartenschlauch herumspritzt, Kinder schreien und toben und freuen sich über die Abkühlung. Dein Handy klingelt, dein Mitbewohner ist dran: ‚‚Hey, im Foodsharing gibt es gerade Erdbeeren, kannst du uns auf dem Weg nach Hause welche mitbringen?‘‘. ‚‚Klar doch‘‘, sagst du, denn es liegt direkt auf dem Weg. Bei deiner Freundin angekommen erwartet dich ein frisch gebackener Kuchen, ihr Nachbar hat ihn vorbeigebracht.
Gemeinsam mit dem Sohn des Nachbarn repariert ihr sein Fahrrad, denn er hat kein Geld für die Fahrradwerkstatt. Danach sitzt ihr in der Sonne und genießt das Wetter. Der Kuchen schmeckt herrlich. Was für ein schöner Tag.

Zurück zur Realität

Obwohl es von unterschiedlichen Seiten Bestrebungen gibt den oben beschriebenen Zustand für alle Menschen zu erreichen, birgt das System, in dem wir leben, einige Hindernisse. Oft fehlt das Wissen darüber, wo und wie man Hilfe bei alltäglichen Problemen bekommen kann und ob es noch andere Wege gibt, als alles nur mit Geld zu regeln. Auch kulturelle Unterschiede oder Sprachbarrieren können zu Ausgrenzung führen oder zu Scham davor auf andere zuzugehen.

Der Zugang zu Wohnraum, Bildungsangeboten und kulturellen Veranstaltungen ist auch 2020 noch abhängig davon, wie viel man dafür bezahlen kann. Und wie viel man bezahlen kann, ist abhängig davon, ob man für seine Arbeit fair entlohnt wird oder ob man überhaupt eine hat. Staatliche Angebote reichen oft nicht aus, um Probleme in den Griff zu bekommen, die (teilweise) durch den Staat verursacht werden (Obdachlosigkeit, Mangel an psychotherapeutischen Maßnahmen, zu wenig inklusive Veranstaltungen). Menschen mit diversen Problemen werden übergangen, wenn sie nicht die ausreichenden finanziellen Mittel oder sozialen Kompetenzen haben. Um das auch nur ein wenig auffangen zu können, sind viel Zeit, ehrenamtliche Arbeit und gute Organisation nötig.

Wir wollen etwas verändern

Es ist uns bewusst, dass wir den Kapitalismus nicht von heute auf morgen überwinden werden und dass es viel Arbeit und Zeit erfordert aus alten Gewohnheiten auszubrechen und seine Lebens- und Denkweise neu zu strukturieren. Aber wir wollen es versuchen.
Auch mit den Vorschriften, an die wir uns zu halten haben, lassen sich Räume schaffen, die frei von ihnen sind. Räume, in denen wir an unseren Wünschen arbeiten und uns organisieren können.

Wir sehen uns in der Position, die Nachbar:innenschaft zu vernetzen. Mit kostenlosen Bildungsangeboten wie dem Sprachkurs oder politischen Vorträgen wollen wir dazu beitragen, dass jede:r die Chance dazu hat, sich weiterzubilden. Freizeitangebote wie das Kulinarische Kino, das Queer-Café oder der DIY-Treff bieten Gelegenheiten, um sich kennenzulernen und gemeinsam etwas zu unternehmen. Viele verschiedene Gruppen, die sich stark sozial engagieren, halten bei uns ihre Treffen ab und nutzen den Raum für Veranstaltungen. Außerdem sind wir Teil der Initiative «Foodsharing», die es ermöglicht, Lebensmittel vor dem Müll zu retten und Menschen durch die kostenlose satt zu machen. Auch diese Dinge sind kostenlos.

Das sind nur einige Beispiele dafür, wie nachbarschaftliche Solidarität und Fürsorge aussehen kann. Wir wollen andere motivieren, sich umeinander zu kümmern und neue Ideen zu wagen. Wie wäre es mit Gemeinschaftsgärten, damit jede:r ein bisschen Natur genießen kann? Oder mit einem gemeinsamen Auto, dass jede:r nutzen kann, wenn sie:er es benötigt? So werden Ressourcen und Geld gespart. Wie wäre ein Café, in dem sich alle Menschen aus der Gegend ab und zu treffen, um darüber zu reden, was in ihrem Viertel und in anderen passiert?

Ihr seid in der Lage, etwas in eurer Stadt zu verändern und wir wollen euch dabei helfen.

Das Black Pigeon ist ein Buchladen und Veranstaltungsraum im Dortmunder Hafen. Die Räumlichkeiten befinden sich seit März 2017 in der Scharnhorststraße 50 und werden mit dem Künstler und Fotografen Hendrik Müller geteilt.
Es wird vielseitig von Gruppen und Initiativen genutzt und öffnet regelmäßig für
unterschiedliche Veranstaltungen und Angebote.
weitere Infos unter: https://black-pigeon.org/

Veröffentlicht in Nicht Kategorisiert

Kommentaren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.