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Hafenplanung: Nicht ohne uns!

Die Speicherstraße am Dortmunder Hafen ist derzeit das Prestige-Projekt der Stadtoberen. Kritisch begleitet werden die Planungen von der Hafeninitiative

In Dortmund ist man stolz auf den vom Kaiser persönlich eingeweihten Kanalhafen, der mit Kohle und Stahl auf- und später wieder abstieg. Auch heute ist der Hafen noch ein wichtiges Industriegebiet in der Stadt, der mit Ruhrgebietsromantik und dreckiger, aber ehrlicher Arbeit verknüpft wird. Tatsächlich wird im Hafengebiet eine Menge von dem entsorgt und sortiert, was wir als (post-)industrielle Gesellschaft nicht mehr brauchen. Schlechte Luft und PCB-Skandal sind die Folgen. Trotzdem sind Hafenbecken und Kanal auch ein wichtiges Naherholungsgebiet und der Hafencharme weckt bei den Stadtoffiziellen immer wieder die Hoffnung, dass das Gelände junge, hippe Menschen anlocken und die Nordstadt endlich aufwerten könnte.

Nach mehreren gescheiterten Versuchen in den letzten Jahrzehnten tut sich seit einiger Zeit etwas. An der südlichen Speicherstraße, die an der U-Bahn-Haltestelle «Hafen» beginnt, wird abgerissen und neu gebaut. Es sollen ein «Leuchtturm»-Bürogebäude, der «Lensing Media Port», weiter oben der von Grünbau betriebene Heimathafen, eine Digitalakademie und direkt am Wasser ein Gründer:innezentrum mit Co-Working Spaces entstehen. Die nördliche Speicherstraße, die aktuell aus einem Busparkplatz, dem Partyschiff «Herr Walter» und dem von Künstler:innen genutzten Speicher100 besteht, soll in den nächsten Jahren folgen. Dazu kommt das riesige ehemalige Gelände des Stahlverarbeiters Interfer an der östlichen Seite der Speicherstraße. Hier sollen Bürogebäude, Parkhäuser und Berufskollegs entstehen. Die Frage ist aber, für wen hier überhaupt gebaut wird und wie und von wem die entstehenden Flächen genutzt werden können. Auch sollte hinterfragt werden, ob eine Stadt einfach Ihre Flächen veräußern sollte und so auf lange Zeit den Zugriff auf die wichtige Ressource Boden verliert.

Die Hafeninitiative, ein Zusammenschluss von Anwohner:innen und Engagierten, begleitet den Prozess der Hafenplanung von Beginn an. Sie setzt sich kritisch mit den geplanten Vorhaben auseinander und mahnt die Stadt immer wieder zu mehr Transparenz, einer Bürger:innenbeteiligung und einem Einbezug des Stadtteils in die Planung. Denn häufig bleibt von den Luftschlössern der Stadtoberen, etwa der OB-Kandidat der SPD Thomas Westphal, nicht viel – und wenn die Blasen platzen, sind es die Stadtteilbewohner:innen, die sich mit Leerstand und Verfall auseinandersetzen müssen, während die Planer:innen wieder Ideenwettbewerbe für die nächste Industriebrache ausschreiben.

Zu Beginn der Planung wurde etwa von «bis zu 5000 neuen Arbeitsplätzen» gesprochen, die im Hafen entstehen sollten – eine übertriebene Zahl, über die bei der Stadt heute niemand mehr sprechen möchte. Auch von größenwahnsinnigen Plänen von zusätzlichen Grachten, die Investoren und Start-Ups anlocken sollten, ist nicht mehr viel zu hören. Stattdessen hat der zuletzt diskutierte Plan einer Kopenhagener Architekt:innengruppe viel Platz für Grünflächen und greift die im Hafen aufgetauchten Graffitis «Stadt für Alle» in ihrem Konzept auf. Kleinere Gebäude statt Bürotürme und Fahrradstraßen statt Rennbahnen sind auch in der Stadtplanung in Mode.

Trotzdem bleibt es notwendig, die Entwicklung weiter zu beobachten und sich einzubringen. Immer wieder werden die wenigen guten Ideen und wichtige Forderungen – wie beispielsweise öffentliche Toilettenanlagen – unter den Teppich gekehrt. Dazu kommt, dass die bereits existierenden Initiativen im Hafen, wie der Umschlagplatz oder der Speicher100, erst Bleibeperspektiven erhalten haben, nachdem öffentlich dauerhaft Druck gemacht wurde. In der nächsten Zeit muss außerdem diskutiert werden, ob es noch mehr Büroflächen braucht, wenn immer mehr Unternehmen in Corona-Zeiten dichtmachen oder feststellen, dass die Angestellten auch von zuhause arbeiten können. Vorschläge, die Brachflächen, die entfernter vom Hafen liegen, für Wohnraum zu nutzen, wurden allerdings bisher immer abgelehnt.

Die Hafeninitiative trifft sich immer am dritten Mittwoch im Monat an unterschiedlichen Orten im Hafenviertel. Aktuelle Infos gibt es unter www.hafeninitiative.de und auf Social Media.

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