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Thor Steinar dichtmachen 2.0

Antifaschistische Interventionen gegen den «Raumkampf» von Rechts

Vor etwa einem Jahr eröffnete das Bekleidungsgeschäft «Tønsberg» in der Dortmunder Innenstadt zum ersten Mal. Dieser Laden verkaufte Klamotten der Marke «Thor Steinar», die sich unter Neonazis großer Beliebtheit erfreut. Neben germanischer Mythologie bezieht sich die Gestaltung der Kleidung auch positiv auf den Nationalsozialismus und dient damit als Erkennungszeichen in der rechten Szene. Die Nazi-Streetwear hilft dabei, nicht nur rassistisches Gedankengut im öffentlichen Raum zu normalisieren, sondern spült auch eine Menge Geld in die Kassen der Neonazis.

Ausgerechnet in Dortmund, einer Hochburg der rechten Szene, siedelte sich also im August 2019 «Tønsberg» an. Das Geschäft war das einzige in Westdeutschland und erhöhte die Attraktivität Dortmunds für Neonazis aus dem ganzen Umland. Als Teil eines «Raumkampfs» ist die Anmietung und der Kauf von Immobilien für die Rechten wichtig, sie schaffen rechte Treffpunkte und bedrohen Anwohner:innen und Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen.

Gegen den Nazi-Laden regte sich schnell Widerstand. Das antifaschistische Bündnis «BlockaDO» organisierte wöchentliche Kundgebungen vor dem «Thor Steinar»-Laden und schaffte damit eine breite Öffentlichkeit. Auch eine antifaschistische Demonstration mit einigen hundert Teilnehmer:innen setzte eigene Akzente in der Auseinandersetzung. Ähnlich verhielt es sich mit einer antifaschistischen Intervention, die überregional Beachtung fand. Antifaschist:innen drangen in das Geschäft ein und machten einen Großteil der Nazi-Kleidung mit Farbe unbrauchbar. Dieser vielseitige Druck auf die Stadt Dortmund führte letztlich dazu, dass «Tønsberg» am 5.11. schließen musste.

Wie wichtig für die Neonazi-Szene und die Nazi-Marke «Thor Steinar» ein Geschäft in der Dotmunder Innenstadt ist, wurde Ende Juli diesen Jahres deutlich. Erneut öffnete «Tønsberg» seine Pforten, diesmal im Bereich der Brückstraße. Am Eröffnungstag wurde einmal mehr deutlich, dass von dem Geschäft eine unmittelbare Gefahr ausgeht: Eine Antifaschistin, die ein Foto von der Fassade anfertigte, wurde von Mitarbeitern körperlich attackiert und genötigt, um die Löschung des Fotos zu erzwingen. Statt der Löschung des Bildes stellte die Polizei eine Anzeige gegen den Mitarbeiter aus. Wenige Tage später machte die betroffene Antifaschistin ihre Haltung zu den Nazis in einer Rede deutlich: «Ich habe keine Angst und ich gebe nicht auf!»

Der Protest gegen den Nazi-Laden hat gerade erst begonnen und in den kommenden Wochen werden Antifaschist:innen weiter gemeinsam auf die Straße gehen, bis auch dieser Versuch, in der Dortmunder Innenstadt Fuß zu fassen, kläglich scheitert.

Thor Steinar dichtmachen! Antifa bleibt Handarbeit!

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