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Wer sind die Rechten?

Ein Hintergrundbericht über rechte Parteien im Kommunalwahlkampf

Dortmund ist bundesweit nicht nur für einen erfolgreichen Fußballverein bekannt, sondern auch für seine Neonazis. Sie sind Teil der politischen Rechten. Aber was genau macht die
Rechten eigentlich aus und warum sind sie ein Problem? Bei der Kommunalwahl treten drei Parteien an, die eindeutig aus dem rechten Lager kommen: Die NPD und Die Rechte vertreten das Spektrum der erwähnten Neonazis. Die dritte Partei ist die AfD, die sich
in ein paar Punkten von den Neonazis unterscheidet.

Der Begriff Neonazis verweist bereits darauf, dass es sich um eine Art «neue Nazis» handelt. Neonazis sehen sich als die Nachfolger:innen der «originalen» Nazis unter der NSDAP und Adolf Hitler. Sie wollen eine Gesellschaft wie zur Zeit des Nationalsozialismus‘ (1933–1945) wiedererrichten. Ihr Denken ist geprägt von Ungleichheitsvorstellungen. Das reicht vom Rassismus, wie Weiße wären angeblich «besser als alle anderen», über Antifeminismus, wie z. B. «Frauen kriegen Kinder und sollen an den Herd» oder «Männer haben das Sagen und müssen hart sein», bis hin zu Antisemitismus, dem Hass auf Jüd:innen. Vermischt werden diese Vorstellungen mit einem extremen Nationalismus: Der:die Einzelne hat sich dem Erfolg der Nation unterzuordnen oder sogar zu opfern. Wer «dem Volk» ihrer Meinung nach nicht nutze oder gar «schade» (Behinderte, Jüd:innen, Homosexuelle, Linke usw.), gehöre beseitigt. Entsprechend scheuen sich Neonazis auch nicht, Gewalt anzuwenden, um ihre Ziele zu erreichen. Traurige Beispiele dafür sind rechte Terroranschläge wie die des NSU (2006 mit der Ermordung Mehmet Kubaşıks auch hier in Dortmund) oder Morde wie der an Thomas Schulz (2005).

Die AfD vertritt ähnliche Ideen, nutzt aber eine andere Strategie. Von Gewalt distanzieren sie sich, auch wenn einzelne Mitglieder dennoch andere Menschen verletzen. Vordergründig grenzen sie sich vom Nationalsozialismus ab. Gleichzeitig fordern sie aber, dass man einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen müsse. Es sei genug erinnert worden. So wollen
sie die Erinnerung an die Verbrechen der Nazis und damit die Erinnerung an das, was passiert, wenn Rechte an der Macht sind, langsam auslöschen. Auch Rassismus und Antisemitismus gehören zur AfD. Diese werden aber in andere Worte verpackt, damit
sie nicht direkt als solche erkannt werden. Ein Beispiel: Neonazis wollen Menschen abschieben, weil sie angeblich zu einer anderen «Rasse» gehören würden und damit z. B. «von Geburt an kriminell» seien. Bei der AfD hingegen will man Menschen abschieben, weil
diese angeblich einer anderen «Kultur» angehören und damit «zur Kriminalität erzogen» worden seien. Same shit, different label.

Warum sind sie problematisch?

Die AfD und die Neonazis unterscheiden sich zwar in einigen Punkten. Unterm Strich sind ihre Vorstellungen aber nahezu identisch. Die AfD ist gefährlich, weil sie mit ihrem weniger
radikalen Anstrich mehr Einfluss gewinnen kann. Die Neonazis sind gefährlich, weil sie die Gewalttätigeren sind.

Damit sind schon wichtige Dinge genannt, warum die Rechten problematisch sind. Wer in ihre Feindbilder passt, muss damit rechnen, von Neonazis angegriffen zu werden oder
von Gesetzen, die die AfD umsetzen will, ausgegrenzt und diskriminiert zu werden. Und das kann so ziemlich jede:n treffen!

Abgesehen von der Gefahr, die sie für andere darstellen, sind gerade auch rechte Parteien eine Bedrohung. Sie haben keine wirklichen Lösungen für die Probleme der Menschen. Sie behaupten gern, man setze sich für «den kleinen Mann» ein. Stattdessen bieten sie aber nur Sündenböcke. Ein Beispiel: Viele Menschen haben ein Problem mit hohen Mieten. Das hat mehrere Gründe. Vor allem liegt das daran, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der es
viel Geld bringt, die Kosten für Wohnraum in die Höhe zu treiben. Wohnraum wird vor allem
angeboten, um Profit zu machen und nicht, damit alle Menschen ein Dach über dem Kopf haben. Die Rechten aber sagen: «Ja, das Problem sind die Geflüchteten. Die bekommen die ganzen günstigen Wohnungen. Wir versprechen dir: Wenn die weg sind, kannst du dir auch wieder die Wohnung leisten». Und dasselbe tun sie auch bei anderen sozialen Problemen: Arbeits- oder Obdachlosigkeit, Armut, Umweltzerstörungen und so weiter. Rechte bieten
für jedes Problem einen passenden Sündenbock. Aber auch schon vor den gestiegenen
Anzahlen von Asylanträgen waren hier viele Menschen arm und konnten sich die
Miete nicht leisten. Rechte schüren zwar den Hass auf Andere und spalten gerade «die kleinen Leute», aber die eigentlichen Ursachen rühren sie nicht an.

Was kannst Du tun?

Wenn Du erkannt hast, dass die Rechten selbst ein großes Problem für eine friedliche und freie Gesellschaft darstellen, fragst Du dich vielleicht, was Du tun kannst. Wichtig ist,
ihnen nirgendwo das Feld zu überlassen. Wenn dein Arbeitskollege oder die Frau in der Bahn rechte Sprüche klopft, kannst Du ihnen widersprechen. Wenn Neonazis eine Demons-
tration oder die AfD eine Veranstaltung in deinem Viertel planen, kannst Du dagegen protestieren. Du kannst Freund:innen, Kolleg:innen und andere Mitmenschen darüber
aufklären, warum rechte Parteien und Organisationen eine Gefahr und gewiss keine Lösung darstellen. Gerade auch dann, wenn sie vielleicht überlegen, bei der Kommunalwahl Die Rechte zu wählen. Du kannst dich mit anderen zusammentun. Das lohnt sich, weil dann vieles leichter geht und gerade auch der Umgang mit gewalttätigen Neonazis sicherer wird. In Dortmund gibt es viele Gruppen und Bündnisse bei denen Du dich informieren kannst.
Du kannst auch ihnen Informationen über rechte Aktivitäten zukommen lassen. Du kannst ihre Arbeit indirekt unterstützen oder Dich direkt selbst anschließen.

Die Rechten können nur verlieren. Aber der Weg dahin ist lang. Du kannst dazu beitragen, dass es schneller geht und niemand mehr Opfer rechter Angriffe wird.

Weitere Informationen zu extrem Rechten finden ihr unter:

Antifa Cafe Dortmund: antifacafedortmund.noblogs.org
Antifa 170: aa170.noblogs.org
Mean Streets Antifa: msadortmund.noblogs.org
BlockaDO-Bündnis: blockado.info

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Ein Kommentar

  1. […] Wer sind die Rechten?Dortmund ist bundesweit nicht nur für einen erfolgreichen Fußballverein bekannt, sondern auch für seine Neonazis. Sie sind Teil der politischen Rechten. Aber was genau macht die Rechten eigentlich aus und warum sind sie ein Problem? Bei der Kommunalwahl treten drei Parteien an, die eindeutig aus dem rechten Lager kommen: Die NPD und Die Rechte vertreten das Spektrum der erwähnten Neonazis. Die dritte Partei ist die AfD, die sich in ein paar Punkten von den Neonazis unterscheidet. Online zum Lesen unter: https://dortmundvonunten.org/2020/08/01/wer-sind-die-rechten/ […]

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